Als ich heute, ganz gegen meine Gewohnheit leicht verpätet (*hüstel*), in mein kulturwissenschaftliches Seminar gekommen bin, stand auf der Tafel 'Hakkebøf' ('Hackfleisch') und 'Frikadeller' (Fleischlaberl'). "Interessant." hab ich mir gedacht und mich gefragt, wie er wohl darauf gekommen ist das auf die Tafel zu schreiben. Bis ich dahinter gekommen bin, dass er dabei war, über die traditionelle dänische Küche zu sprechen. Da war natürlich dann alles klar.
Meine des Englischen mächtigen LeserInnen mache ich an dieser Stelle (also nach der Pointe) darauf aufmerksam, dass das Thema dieses Posts nicht Verrücktheit, sondern, dem Blogtitel endlich wieder einmal entsprechend, Essen ist. Wer an Essen also nicht interessiert ist kann hier gleich wieder aufhören zu lesen und auch gleich anfangen sich zu fragen was eigentlich mit ihm/ihr nicht stimmt.
'Mad' ist natürlich das dänische Wort für Essen- es klingt ausgesprochen ungefähr so, als würde man versuchen 'Mä' zu sagen und dabei gleichzeitig einen Magenstrudel verpasst bekommen (Falls jemand das ausprobiert, möchte ich gerne das Video dazu sehen). Und nun zurück zum eigentlichen Thema: Ja, wenn es um dänisches Essen geht, sind Fleischlaberl einfach das erste Wort das auf die Tafel muss. Man möchte ja meinen dass da irgendwo 'Fisk' stehen hätte müssen, aber das ist eigentlich eine verdächtige neumodische Entwicklung, die die neue skandinavische Küche den Dänen als 'hip' andrehen will.
Fisch zählt traditionell nicht zum traditionellen Essen, weil es eigentlich nur etwas für arme Leute ist, und man deswegen nicht gern darüber spricht. Reiche jütländische Farmer essen Rind und Schwein und dazu ordentlich Kartoffeln und Sahnesauce. Wenn es unbedingt sein muss, vielleicht auch ein bisschen Grünzeug. Mein Freund Rasmus beschreibt es sehr schön als 'schwere Kost, passend für einen langen Tag harter Arbeit im Felde' und fügt hinzu, dass man solche Gerichte zwar immer noch isst, aber eben nach einem langen Tag harter Arbeit vor dem PC. Es unterscheidet sich also nicht wesentlich von traditionellem österreichischen Essen. Selbstmord mit Messer und Gabel- wer eine ordentliche Osterjause hinter sich hat, weiß was ich meine.
Wahrscheinlich ist es daher nicht schlecht, dass meine Küchenmitbewohner nicht täglich traditionell essen. Gestern gab es zwar eine Fleischlaberlexplosion (Tore und Charlotte haben ungefähr 50 Laberl gebraten, die sie jetzt vermutlich die restliche Woche essen wollen), aber üblicherweise beschränkt man sich auf typische Studentenkost: Nudeln mit Bolognesesauce und Tiefkühlpizza. Die neumodischen Fischsitten haben bei uns nur insofern Einzug gehalten, als die Burschen und Mädchen mit großer Begeisterung Tunfisch essen. Entweder auf Brot, raffiniert verfeinert mit Mayonnaise und Tabasco oder schlicht und elegant, also ledig aus der Dose.
Geändert wird dieses Essverhalten nur beim Auftauchen von potenziellen Geschlechtspartnern. Da wird dann mit Lachs und Rindschnitzel, sowie ausgeklügelten Gemüsegerichten gebalzt. Der einzige, der auch ganz platonisch gut kocht und das Resultat seiner Bemühungen mit einem Glas Rotwein und einem Freund genießt, ist Kamel, unser Franzose. Der mir hoffentlich ein bisschen französischen Käse von seinem Heimaturlaub mitbringt.
Bei aller Witzelei über das dänische Essen muss man aber doch sagen, dass wir Nicht-Nordeuropäer uns entschieden leichter tun, gut zu essen, weil wir unsere Zutaten viel günstiger einkaufen. Außerdem, und hier muss ich dem lieben Ingomar, meinem von den Katholiken ausgeborgten alten Religionslehrer, Recht geben: Die Protestanten wussten schon immer, wie man sich das Leben möglichst schwer macht. Sich weltliche Genüsse zu versagen, wozu ja auch das Essen zählt, war zu Zeiten, als der Pietismus in Dänemark noch ganz groß war, eine Tugend. Und wenn dass Essen eh nicht schmecken darf muss man sich ja auch nicht anstrengen beim Kochen. Bei allen Verfehlungen, die die katholische Kirche in Österreich begangen haben mag, sollte man also nicht vergessen was wir ihrer Vormachtstellung alles zu verdanken haben: Kaiserschmarren, Germknödel, Schweinsbraten, Kärntnernudeln...
1 kommentar:
jetzt hab ich hunger auf germknödel, danke. :)
aber voll interessant eigentlich! was ihr nicht alles lernt..
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