Nach 6 Monaten Freiheit bin ich jetzt wieder bei meinen lieben Eltern eingezogen. Ich wohne im Saunaruheraum im Keller, für meine Eltern 'das Gästezimmer', für mich liebevoll, aber kontrovers, 'das Verlies'. Meine Eltern finden mich undankbar, weil es doch wirklich schön und gemütlich ist im rotbraun gestrichenen Gästezimmer. Ist es auch. Unheimlich gemütlich. Wie in einer feinen Höhle. Tatsache ist, wenn ich aus dem Keller ins Erdgeschoß steige, fühle ich mich wie ein Maulwurf, der die Grasnarbe durchbricht.
Deswegen muss ich mich auch mit großer Willensanstrengung davon abhalten, alle meine Habseligkeiten wie anno dazumal in Küche und Wohnzimmer zu verteilen, wo es dann in regelmäßigen Abständen hieß 'So jetzt räum dein Glump da endlich in dein Zimmer sonst hau' ich's weg!'. Um nicht im Alter von 25 noch derart erniedrigt zu werden (das war mit fünf schon schlimm genug), räum' ich also jetzt freiwillig meine Bücher, Hustentabletten und sonstigen Kram jeden Tag wieder in den Keller oder an andere schwer einsehbare Orte.
Des weiteren ist es auch notwendig, dass ich mich an der Hausarbeit beteilige. Da ich mir gerade einen schönen Sommerschnupfen angelacht habe, und deshalb hauptsächlich dekorativ die Polstermöbel besetze (Marke 'Sterbender Schwan'), ist das gerade nicht allzu aufwändig. Allerdings sind mir kleine Arbeiten durchaus zuzumuten, weshalb ich heute zum Reiskochen abbeordert wurde. Ich also, treuherzig: "Wieviele Tassen soll ich machen? Eine, zwei?". Meine Mutter schaut mich ein bißchen verwirrt an, geht dann resolut zum Küchenkastl und hält mir kurz darauf ein mit Papageien bedrucktes Trinkgefäß unter die Nase: "Du nimmst ein Häferl. Und dann tust du...". Ich: "Äh, ja ich weiß wie das geht. Ich hab ja gefragt eine oder zwei Tassen. Also eine." Darauf meine Mutter, empört: "Tasse! Ein HÄFERL!".
Schön. So anders als im Ausland ist es ja gar nicht hier.
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