lördag 17 januari 2015

Ménage à douze – Haushalt zu zwölft


Ich hab meine Küchenmitbewohner ja schon ein paarmal erwähnt, aber jetzt haben sie sich wirklich mal einen eigenen Eintrag verdient. Ich stelle hier also ein bißchen die Ménagerie vor.

Marius, Lauren und Josh, die anderen Austauschstudierenden gehen hier als Menschen oder zumindest Menschenaffen durch. Sie benehmen sich und kommunizieren normal. Alle anderen sind mehr so Tiere des Waldes.

Heini (Finnland) – ein scheues Reh, das man nur selten zu Gesicht bekommt. Mittlerweile spricht sie schon kurze Sätze mit mir bevor sie wieder davonhuscht, aber es ist schwer sie zu erwischen, weil sie sehr vorsichtig ist und immer einen Fluchtweg parat hat. Spuren hinterlässt sie kaum in der Küche, aber man erkennt, dass sie in der Küche war, wenn es nach roter Grütze riecht.

Die Schweden...

Zine – Zine markiert ihr Gebiet in der Küche mit unabgewaschenen Töpfen mit Nudelresten drin. Sie ist fest davon überzeugt, dass es in Schweden Kannibalen gibt, hat manchmal Anfälle von Paranoia und unterhält uns im Übrigen gerne mit irren Geschichten aus ihrem Leben die sie sich vermutlich spontan ausdenkt. Josh, den sie besonders gern hat, überlegt schon, eine Strickleiter zu kaufen, damit er zu Not aus dem Fenster flüchten kann wenn sie in wieder mal in Grund und Boden quatscht.

Inan – ist eigentlich ganz lieb, aber leider oft ein bißchen beschränkt. Sie denkt Österreich ist ein Teil von Deutschland. Aber sie studiert Pharmazie, deshalb nennen wir sie “Pharmacy girl” und ich hoffe sie ist darin besser als in Geographie und anderen Fragen der Allgemeinbildung. Zum Beispiel hält sie es für eine gute Idee, Brokkolicremesuppe die ihr misslungen ist, im Waschbecken zu entsorgen und flieht panisch, wenn sie ihren Fehler erkennt. Ich hab ihr gesagt das nächste Mal darf sie mich gerne zu Hilfe rufen... Dann haben wir wenigstens nicht zwei Tage lang zwei verstopfte Waschbecken.

Zainab – “Pharmacy girl's friend”, schon an ihrem Spitznamen erkennt man, wie gut wir sie kennen. Sie spricht nicht gern Englisch, dementsprechend ungern kommuniziert sie mit mir. Aber ich glaube sie macht keinen Dreck. Null Persönlichkeit aus meiner Sicht ;)

Mesi – meine Nachbarin. Sie versucht, mit mehr oder weniger Erfolg, andere durch klagende Rufe und große flehende Augen dazu zu bringen ihre Probleme zu lösen. Man möchte ihr den Hals umdrehen. Stattdessen mache ich sie freundlich darauf aufmerksam, dass nicht nur alle anderen (und ganz besonders die bösen Fremdlinge) ihre Küchenpflichten vernachlässigen, sondern der Müll, der sich vor der Küche schon stapelt, diese Woche ihr Kakao ist. Ihre Vorstellung von Zusammenwohnen ist, das jeder einen Kühlschrank, eine Mikrowelle (sic!) und vermutlich auch eine Waschmaschine im Zimmer hat und seinen/ ihren Biomüll am Besten auch nach dem Kochen wieder mit ins Zimmer nehmen sollte. Eine typisch schwedische Eigenschaft wie ich mittlerweile vermute.

Emil – der Brokkoli-Fanat. Viel mehr weiß ich nicht über ihn. Wenn ein Topf mit braunem Reis am Herd steht (randvoll mit Wasser, kein Deckel), kocht Emil. Er ist riesengroß, also muss er in seiner Kindheit gut ernährt worden sein, aber sehr blass, woraus ich schließe dass eine ausschließliche Brokkoli-Huhn-Reis-Haferschleim-Diät vielleicht nicht komplett zu empfehlen ist. Er studiert Chemie und hat beschlossen, dass von uns allen nur Josh vertrauenswürdig ist. Wahrscheinlich weil der auch groß dünn und blond ist und nicht kochen kann. Küchenmitteilungen liest er nur wenn sie hübsch sind, wie ich heute herausgefunden habe. Ein Schwede...

Jessica – Jessica hat Anfang des letzten Semesters wirklich redlich aber nicht sehr konseuent versucht, Ordnung in die Küche zu bringen. Ich glaub ich hab ihr da die Autorität entzogen, und irgendwie nimmt sie mir das glaub ich übel. Die Küchenmitteilungen müssen auch für sie sauber und hübsch sein, sonst kann sie sie nicht ernst nehmen. Allerdings versorgt sie uns mit Rubikwürfeln und ähnlichem Denk-Geschicklichkeits-Zeug und fördert so unsere Feinmotorik und Konzentration. Der Stapel Frauenzeitschriften in der Küche ist glaub ich auch von ihr. Was sie isst, weiß ich nicht. Gar nichts wahrscheinlich, so dünn und bleich wie sie ist.

Jens – Jens ist gar nicht da. Das letzte Semester haben wir eifrig Jens-Spotting betrieben (inklusive Beobachtung seines Kühlschrankfaches) - mit mäßigem Erfolg, niemand hat jemals sein Gesicht gesehen. Nur eine schemenhafte Gestalt die ab und zu vorbeigehuscht ist.

Ruth und Clement – unsere Neuzugänge. Zwei Isländer, die sich seit Anfang Jänner Jens' Zimmer teilen, das er jetzt endlich untervermietet hat, nachdem er offensichtlich bei seiner Freundin wohnt. Die zwei sind noch nicht ganz stubenrein was das Abwaschen und Mülltrennen betrifft, aber sie backen zu nächtlicher Stunde Kuchen, und wenn man dann vom Fortgehen heimkommt, darf man mitessen. Ruth ist sehr gesprächig und freundlich, Clement ist freundlich aber spricht nicht so gern, weshalb sie vermutlich gut zusammenpassen. Außerdem habe sie einen faszinierenden isländischen Wikingerfreund, der lange blonde Haare, ein typisches Isländergesicht (diese Nase!) und einen blonden Vollbart hat. Das Klischee lebt!

Ja und ich. Ich komme mir hier manchmal vor wie die Hausmeisterin in “Meine Mutter schwindelt besser”, die den Haubewohnern auflauert und versucht herauszufinden wer für welchen Teil des Chaos' verantwortlich ist. Dann frag ich einfach alle die mir unterkommen, ob das ihre Brokkolisuppe war, und höre mir an wen sie verdächtigen, bis ich die Richtige gefunden hab. Es waren nämlich meistens nicht die Austauschstudenten. Und auch nicht immer Zine. Manchmal putze ich einfach. Manchmal klopfe ich bei Leuten an und weise sie darauf hin, dass sie da noch was zu tun hätten. Manchmal ess ich lieber in meinem Zimmer. Und meistens fühl ich mich wie ein Flohzirkusdompteur.  

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